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Bericht in der Holsteiner Allgemeine: Zahnärztin für Gehörlose sucht dringend Azubi

veröffentlicht am 19.05.2012 in News

Aussergewöhnliche Berufe

Sie nehmen Gehörlosen die Angst vor dem Zahnarztbesuch: Marianela von Schuler Alarcón (li.) und Assistentin Marcela Palomino Dávila. Maren Ettel (Mitte) hat allerdings kein Hörproblem: Sie arbeitet selbst im Dentologicum, hat nur für das Foto einmal auf dem Patientenstuhl Platz genommen.

Zahnärztin für Gehörlose sucht dringend Azubi

Doch die Suche nach einem gehörlosen Bewerber gestaltet sich schwierig

(Elmshorn/Hamburg/rs) Ängste vor dem Zahnarzt kennt fast jeder. Gehörlosen steht ein solcher Besuch jedoch besonders bevor. Schließlich kommen beruhigende und erklärende Worte von Arzt oder Helferin bei ihnen nicht an. Um so glücklicher sind sie, wenn sie auf Marianela von Schuler Alarcón treffen: Denn die in Venezuela geborene Zahnärztin kommuniziert in Gebärdensprache – als eine von ganz wenigen in Deutschland.

Schuler Alarcón, die am Hamburger Dentologicum in Bahrenfeld tätig ist und enge Beziehungen nach Elmshorn pflegt, will ein Experiment wagen: Die 35-Jährige möchte
einen Gehörlosen zum Zahnmedizinischen Fachangestellten ausbilden. Den Rückhalt des Dentologicums, einer Praxisgemeinschaft mit 17 Ärzten und 60 Mitarbeitern, die auf dem Weg ist, zum 1. Juli zum ersten zahnärztlichen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Norddeutschland zu werden, hat sie.

„Wir werden alle gefordert werden“, sagt Georgia Chimonas-Schneider, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Die Stadt Hamburg würde einen Dolmetscher stellen, der in die Schule käme. In der Praxis würden sich Schuler Alarcón und die Zahnmedizinische Fachangestellte Marcela Palomino Dávila, die sich in die Gebärdensprache einarbeitet, um die Ausbildung kümmern. Voraussetzung für Bewerber ist ein Realschulabschluss, mindestens aber ein sehr guter Hauptschulabschluss. Die Ausbildung dauert vier statt üblicher drei Jahre. Mit der Ausbildung soll begonnen werden, sobald eine geeignete Bewerberin oder ein geeigneter Bewerber gefunden ist. Interessenten sollten sich unter bewerbung@dentologicum.de melden.

Ein Beruf mit Zukunft. Das Dentologicum will diesen Bereich weiter ausbauen. Das Haus ist auch an einem gehörlosen Zahnarzt und Zahnarzthelferinnen, die bereit sind, sich in die Gebärdensprache einzuarbeiten, sehr interessiert.

„Gehörlose fühlen sich oft wie Ausländer“

Marianela von Schuler Alarcón kann sich sehr gut in die Lage Gehörloser hineinversetzen. „Als ich 2o01 in die Bundesrepublik kam, um hier Zahnmedizin zu studieren, konnte ich kein Deutsch.“ Diese Erfahrung, nicht mit anderen kommunizieren zu können, hat sie geprägt. Denn die Integration fiel ihr dadurch anfangs sehr schwer. Als Folge verbiss sie sich regelrecht in Deutschbücher.

Als sie vor vier Jahren in Deutschland einen Gehörlosen kennen lernte, fackelte sie nicht lange, sondern begann, sich in die Gebärdensprache einzuarbeiten. „Ich beherrsche sie nicht perfekt. Es ist
wie bei einer klassischen Fremdsprache, man muss jeden Tag viel lernen“. In Deutschland, sagt Schuler Alarcón, würden Gehörlose oft nicht wahrgenommen. Mit ihrem Engagement will sie dazu beitragen, die Lage Gehörloser zu verbessern. Andere Länder, etwa die USA, seien dort mit Dolmetschern im öffentlichen Raum schon viel weiter. Für die katholisch erzogene junge Frau ist es wichtig, anderen zu helfen. So arbeitet sie ehrenamtlich im Hamburger Zahnmobil der Caritas, behandelt dort Obdachlose und Bedürftige.

Nach Elmshorn kommt Schuler Alarcón ein bis zweimal im Monat. Denn hier leben nicht nur ihre Schwiegereltern Hanns-Jörg und Susanne von Schuler, sondern auch der Bruder ihres Ehemanns Henning von Schuler und dessen Familie. „Elmshorn ist für mich eine Heimat geworden“, sagt Schuler Alarcón.

Dialog in Gebärdensprache. In Deutschland leben nach Angaben des Deutschen Schwerhörigenbundes ca. 80.000 Gehörlose und 16 Millionen Schwerhörige.